Oliver Knappich

 Die Psychologie des umweltzerstörenden Konsums

Eine Analyse der Strukturgenese
im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie
als Grundlage für Marketing und Verbraucherpolitik
Marketing und Handel


Geleitwort

Die Diskussion über Umweltprobleme hat sich etwas beruhigt, aber die Pro-
bleme sind geblieben. Das gegenwärtige Wirtschaftssystem und das damit
verbundene Konsumverhalten läuft auf eine Zerstörung der Lebensgrundlage
hinaus: gefährliche Veränderung des Weltklimas, massive Bodenerosionen,
zurückgehende Artenvielfalt. Das Bevölkerungswachstum und die zunehmen-
de Industrialisierung noch nicht so entwickelter Länder nach dem Vorbild der
großen Industrienationen erhöhen die Gefahr. Wenn China beispielsweise
heute so motorisiert wäre wie die USA, bräuchte das Land hierfür die gesam-
te gegenwärtige Erdölproduktion.
 
Neben den Problemen dürfen die Fortschritte bei der Eingrenzung der Um-
weltzerstörung jedoch nicht übersehen werden. Im technischen Bereich sind
sie erheblich, z.B. bei der Emissionsreduzierung, beim Recycling sowie bei
Energieeinsparungen. Die politische Bilanz sieht dagegen nicht so gut aus.
Auf der Ebene der internationalen Politik gab es zwar mehrere Umweltkonfe-
renzen, aber die praktischen Auswirkungen der Vereinbarungen bleiben weit
hinter den Erwartungen zurück. Auf der Mikroebene, bei Personen und
Institutionen, gibt es Signale, die optimistisch stimmen, aber auch das ändert
nichts daran, dass wir von einer umweltverträglichen Lebensführung weit ent-
fernt sind. Untersuchungen zeigen, dass sich aus einem anfänglichen Umwelt-
interesse ein Umweltbewusstsein entwickelt hat. Es konnte auch festgestellt
werden, dass das Verbraucherverhalten umweltfreundlicher geworden ist.
Allerdings ist der Zusammenhang zwischen Umweltbewusstsein und Konsum-
verhalten widersprüchlich. Vieles spricht dafür, dass das Umweltbewusstsein
weder eine notwendige, noch eine hinreichende Bedingung für einen umwelt-
schonenden Konsum darstellt.
 
Hier knüpft die vorliegende Arbeit an. Im Mittelpunkt steht die Formulierung
einer umfassenden Theorie zur Erklärung des umweltzerstörenden Konsum-
verhaltens. Sie geht vom entwicklungspsychologischen Modell Piagets aus,
das durch die Theorie der Leistungsmotivation erweitert wird. In diesem Rah-
men wird die Entstehung der Diskrepanzen zwischen Umweltbewusstsein und
Umweltverhalten rekonstruiert und erklärt. Dabei werden weitreichende Be-
ziehungen zwischen verschiedenen psychologischen Konstrukten, Modellen
und Theorien hergestellt.
 
Herrn Knappichs Betrachtungsweise weicht in der vorgelegten Arbeit deutlich
von den bisher diskutierten Erklärungsansätzen zum umweltzerstörenden bzw.
umweltverträglichen Konsum ab. Die zentrale Rolle des Bewusstseins wird
hier in Frage gestellt. Dafür werden Möglichkeiten der langfristigen Verhal-
tensänderung in den Vordergrund gerückt. Auf dieser Basis könnte es ge-
lingen, Konzepte zu entwickeln, die Konsumverhalten wirkungsvoller und nach-
haltiger verändern als dies durch die gegenwärtig präferierten Maßnahmen
geschieht, die eher oberflächlich und nur kurzfristig wirksam sind.
 

Prof. Dr. Gerold Behrens

Wuppertal, im Februar 2000